Franken, Frauen, Fortschritt – Neue Wege im Weinbau

„Wein ist ein emotionales Produkt.“ Winzerin Carolin Meyer zeigt, wie sich der fränkische Weinbau zwischen Tradition und neuen Rollenbildern verändert. Ein Beitrag über Haltung, Herkunft und Frauen, die den Wandel mitgestalten.

In der historischen Weinlandschaft rund um Greuth am Steigerwald wächst Wein seit Jahrhunderten – und mit ihm verändern sich Rollen, Traditionen und Perspektiven. Die Winzerin Carolin Meyer verkörpert diese Verbindung von Tradition und frischem Blick. Mit ihrer Ausbildung zur Winzerin, Gästeführerin und Weinbautechnikerin hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und leitet mittlerweile den Familienbetrieb mit Herzblut und neuen Ideen.

„Wein ist ein emotionales Produkt und genau das macht ihn so besonders“, sagt Carolin im Interview, denn für sie ist Weinbau nicht nur Beruf, sondern Ausdruck einer tiefen Verbundenheit zur Landschaft und zu den Generationen vor ihr. Hier wird deutlich, wie der fränkische Weinbau nicht nur durch Rebsorten oder Stilistik im Wandel ist, sondern auch durch die Menschen, die ihn prägen – allen voran Frauen wie Carolin Meyer.

Aufgewachsen zwischen Reben und Entscheidungen

Der Weg in den Weinbau war für Carolin kein spontaner Entschluss, sondern ein gewachsenes Selbstverständnis. Ihre Eltern führen ein kleines Weingut, der Alltag zwischen Reben und Keller gehörte schon früh zu ihrem Leben. „Ich bin da so reingewachsen“, erzählt sie. Die Arbeit in und mit der Natur habe sie schon immer fasziniert, sodass für sie schnell feststand, dass sie diesen Weg gehen möchte. Ohne Umwege entschied sie sich für die Ausbildung zur Winzerin in ihrer fränkischen Heimat und andere berufliche Alternativen spielten für sie kaum eine Rolle.

Eine Männerdomäne – aber nicht im Selbstverständnis

Dass der Weinbau lange als ein von Männern beherrschter Bereich galt, hat Carolin nie davon abgehalten, ihren Platz darin einzunehmen. Ein entscheidender Grund dafür liegt in ihrem Elternhaus: Ihre Eltern haben ihr früh vermittelt, dass es keinen Unterschied macht, ob man eine Frau oder ein Mann sei. Dieses Selbstverständnis begleitet sie bis heute und öffnet ihr so manche Tür. 

Im Berufsalltag begegnet sie dem Thema Geschlecht dennoch immer wieder. Vor allem bei körperlich schweren Arbeiten gibt es Situationen, in denen sie sich Unterstützung holt – sei es durch technische Hilfsmittel oder durch Kollegen. Für Carolin ist das jedoch kein Nachteil, sondern pragmatischer Alltag: „Grundsätzlich, würde ich sagen, macht es eigentlich keinen Unterschied“. Der entscheidende Punkt im Arbeitsalltag liegt demnach nicht im Geschlecht des Winzers, sondern in seiner Art und Weise diese Arbeit zu organisieren und zu verteilen.

Netzwerke statt Einzelkämpfer

Besonders deutlich wird der Wandel dort, wo es nicht um Kraft, sondern um Haltung geht: In Bereichen wie Weinstilistik, Betriebsführung oder Netzwerkarbeit sieht Carolin großes Potenzial. Gerade in einer Zeit, in der sich Weinmärkte international angleichen und Qualität nicht mehr allein ausreicht, gewinnen Kommunikation, Zusammenarbeit und ein feines Gespür für Menschen an Bedeutung. „Am Ende ist es ein People Game“, sagt sie und betont damit, wie wichtig Vernetzung und Austausch für den Erfolg eines Weinguts geworden sind.

Foto. Dient der Dokumentation einer Weinveranstaltung. Fünf Erwachsene (Vier Männer und eine Frau) stehen in einem Weinkeller vor großen Holzfässern und stoßen mit Weißweingläsern an. In der Mitte steht eine Frau mit Weinkrone und blauem Kleid.
Bild: Carolin Meyer

Zwischen der Repräsentation und der Realität

Auch ihre Zeit als Fränkische Weinkönigin von 2019 bis 2022 hat Carolins Weg nachhaltig geprägt. Das Amt eröffnete ihr zahlreiche Einblicke in die Weinbranche, brachte sie mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren in Kontakt und schuf ein Netzwerk, das sie bis heute begleitet. Gerade der persönliche Austausch und die vielen Gespräche empfindet sie rückblickend als besonders wertvoll.

Gleichzeitig war die Rolle stark von Repräsentation geprägt. Auf vielen Veranstaltungen stand sie als einzige Frau zwischen männlichen Vertretern aus Politik, Verbänden oder Weinwirtschaft auf der Bühne – klassisch mit Krone und Abendkleid. Für Carolin spiegeln diese Situationen noch immer bestehende Strukturen wider, auch wenn sich der fränkische Weinbau insgesamt im Wandel befindet. Die Erfahrungen aus dieser Zeit helfen ihr heute vor allem im sicheren Auftreten, in der Kommunikation und im Umgang mit Öffentlichkeit – Fähigkeiten, die auch im Betriebsalltag eines Weinguts eine wichtige Rolle spielen.

Wein im Wandel – und der Blick nach vorn

Für die Zukunft wünscht sich Carolin mehr Bewusstsein für Regionalität, Qualität und Herkunft. Sinkender Konsum und der Griff zu günstigen Importweinen seien eine Herausforderung für die Branche. Ihr Plädoyer: Weniger, aber bewusster genießen – und Weinen wieder Raum für Geschichte, Seele und Herkunft geben.

Euer VINOVATION-Team

2 Antworten zu „Franken, Frauen, Fortschritt – Neue Wege im Weinbau“

  1. Avatar von Natja
    Natja

    …eine tolle Frau, eine tolle Geschichte, ein toller Artikel … interessant & einfühlsam zugleich 🫶

  2. Avatar von Anna
    Anna

    Soo eine tolle Geschichte und beeindruckende Winzerin!🍇

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