Maximilian I.: Wenn ein Weinprinz Tradition neu schreibt

Manchmal genügt eine einzige Person, um ein vertrautes Bild zu drehen. Im fränkischen Weinland sind es Weinprinzen, die zeigen, wie wandelbar und lebendig Tradition wirklich ist.

Strahlend blauer Himmel, hochsommerliche Temperaturen und einen guten Schoppen im Glas. Rundherum gut gelaunte Menschen und ein historisches Ambiente. Im Hof der Kirchenburg in Hüttenheim spielten sich im August diesen Jahres genau diese Szenen ab, als der Weinbauverein sein alljährliches Weinfest veranstaltete. Bereits beim Einzug der  Ehrengäste und der über 30 Weinhoheiten am Donnerstagabend war der Festplatz gut gefüllt und doch bot sich für einige der Gäste ein ungewohnter Anblick: Es war in diesem Jahr keine Weinprinzessin, die das Jubiläumsfest eröffnete. Mit Maximilian I. führte erstmals ein Weinprinz den Zug an und begrüßte alle Freunde des Weins in seinem Heimatort.

Weinhoheit – ein Ehrenamt mit langer Geschichte

Weinhoheiten gehören seit Jahrzehnten zu Franken wie Silvaner und Bocksbeutel. Traditionell waren es immer junge Frauen, die als Weinprinzessinnen oder Weinköniginnen ihre Orte und den fränkischen Wein repräsentierten. Eine Weinprinzessin im Frankenland ist weit mehr als ein festliches Symbol: Sie repräsentiert ihren Heimatort und die regionale Weintradition bei Festen, Verkostungen und offiziellen Terminen. Neben Fachwissen über Weinbau und lokale Spezialitäten braucht es vor allem Charme, Kommunikationsstärke und Engagement, um als Bindeglied zwischen Winzern, Gästen und Vereinen zu wirken. So wird das Ehrenamt zu einer lebendigen Botschafterrolle für Kultur, Genuss und Heimat.

Dass diese Ämter so lange fest in weiblicher Hand waren, lag weniger an Regeln als an Gewohnheiten. Viele der fränkischen Weinbauvereine arbeiteten klassisch getreu dem Motto „wir haben das schon immer so gemacht“. Erst in den letzten Jahren öffnete sich das Amt langsam für Männer, angestoßen durch Nachwuchsprobleme und einzelne mutige Kandidaten in der Region, wie in Kleinlangheim, Theilheim oder eben Hüttenheim.

Die Rolle der Weinprinzessin hat in Hüttenheim lange Tradition, doch auch Traditionen durchlaufen Phasen. „Bei uns waren die letzten Prinzessinnen nicht mehr so präsent“, erzählt Maximilian, welcher oftmals auch offiziell nur Maxi genannt wird. Für ihn war das weniger Kritik an seinen Vorgängerinnen als vielmehr eine Chance, das Ehrenamt in einer neuen Form weiterzutragen und die Repräsentation seines Heimatortes wieder aktiver und sichtbarer zu gestalten.

Ein junger Winzer übernimmt Verantwortung

Maxi ist gelernter Winzer und seit Jahren im Weinbauverein aktiv. Als er merkte, dass sich niemand so recht für das Amt fand – obwohl gerade in einem Jubiläumsjahr besonders viele öffentliche Auftritte anstehen – fasste er mit seiner Kandidatur einen Entschluss. „Ich wollte das gescheit machen und zeigen, dass Hüttenheim wieder präsent ist“, sagt er. Dass er nach seiner Krönung im April 2025 wie selbstverständlich akzeptiert wurde, freut ihn sehr. Sowohl seine Freunde als auch die Mitglieder des Weinbauvereins und seine Kolleginnen aus der Weinhoheiten-Gruppe standen sofort hinter ihm. „Schlechtes habe ich noch nie gehört“, sagt er. Im Gegenteil: Viele finden es erfrischend, dass zwischen all den Prinzessinnen auch ein Prinz auftritt. Mancherorts bekomme er sogar mehr Applaus als früher die Prinzessinnen und auch seine Autogrammkarten sind heißbegehrt.

Ein junger Mann in traditioneller fränkischer Tracht steht entspannt an einem Geländer
vor einem historischen Fachwerkhaus und blickt nach rechts. Er trägt eine rote Schärpe mit der
Aufschrift „Hüttenheimer Weinprinz Maximilian I.“ und hält eine Weinflasche in der Hand,
während im Hintergrund Weinranken an der Hausfassade emporwachsen.
Bild: Maximilian Lang

Ein moderner Vertreter einer alten Rolle

Seit seiner Krönung hat Maximilian bereits über 60 Termine wahrgenommen – ein enormer Einsatz für dieses Ehrenamt. Ob Weinfesteröffnung, Feuerwehrjubiläum oder Veranstaltungen im Weinparadies Franken: Er versucht, bei möglichst vielen Terminen dabei zu sein. „Wenn man so ein Amt macht, sollte man es richtig machen“, sagt er und betont damit wie wichtig es ist, mit Herzblut dabei zu sein.

Sein Auftreten wirkt dabei weniger wie ein Bruch als vielmehr wie eine Erweiterung der Tradition. Beim „Hüttenheimer Hofgenuss“, einem stimmungsvollen Wintermarkt Ende November rund um die Kirchenburg, organisierte er für seine Prinzessinnen-Kolleginnen eine eigene Weinprobe. Rund 16 Weinhoheiten besuchten ihn an diesem Tag – ein Zeichen dafür, dass die bestehenden Strukturen sich nicht auflösen, sondern bunter und vielfältiger weiterleben.

Zwischen Krone und Schärpe – und dennoch unverwechselbar

Einige traditionellere Gäste müssen sich jedoch noch an das neue Bild gewöhnen: Manche fragen, warum Maximilian keine Krone trägt, andere wundern sich über die Schärpe. Doch diese Fragen sind freundlich gemeint und zeigen vor allem, wie neu männliche Weinhoheiten für viele noch immer sind.

Der fränkische Weinbauverband unterstützt die Entwicklung jedoch. Dass Maxi bereits als Vertreter der Fränkischen Weinkönigin bei großen Eröffnungen eingesetzt wurde, zeigt: Die Türen stehen offen!

Der Blick nach vorn

Wird es künftig mehr Weinprinzen geben? Aus Maxis Sicht ist das sehr wahrscheinlich, denn gerade Weinbauvereine, die keine Bewerberinnen finden, könnten sich an Orten wie Hüttenheim orientieren. „Wenn man sieht, dass es gut funktioniert, warum nicht?“, sagt er.

Im Hof der Kirchenburg, wo Hüttenheim seine Feste feiert, verbinden sich Geschichte und Gegenwart in jedem Stein. Genau dort zeigt Maxi I., dass Tradition lebendig bleibt, wenn man sie mutig weiterträgt – manchmal eben auch mit einer Schärpe statt einem Krönchen.

Eine Antwort zu „Maximilian I.: Wenn ein Weinprinz Tradition neu schreibt“

  1. Avatar von Natja
    Natja

    Interessant und spannend zugleich… Hut ab vor dem unermüdlichen Engagement für das fränkische Weinland, Prinz Maxi I.

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