Alkoholfreies Bier ist inzwischen in jedem Laden zwischen den regulären Bieren zu finden. Einige Leute werden bemerkt haben, dass sich alkoholfreie Weine zunehmend im Sortiment etablieren. Alkoholfreier Wein ist jedoch keine neue Erfindung.
Alt oder doch modern?
Bereits vor über 100 Jahren wurde von Carl Jung ein Verfahren zur Entalkoholisierung, die sogenannte Vakuumdestillation, entdeckt. Daraufhin versuchten deutsche Winzer schon in den 90ern alkoholfreien Wein auf den Markt zu bringen. Jedoch waren die damals eingesetzten Verfahren noch nicht ausgereift und strapazierten die Weine zu stark. Viele der Weinaromen gingen verloren, wodurch der alkoholfreie Wein nicht schmeckte und sich nicht durchsetzen konnte. Das änderte sich in den letzten Jahren enorm, insbesondere durch technische Fortschritte. Die Verfahren heutzutage sind um einiges schonender für den Wein und die Aromen bleiben größtenteils erhalten. Es ist zu erwarten, dass sich der Geschmack von alkoholfreiem Wein noch verbessern wird, da weder die Verfahren noch das Wissen über die Entalkoholisierung vollends ausgereift sind. Die Forschung und Entwicklung von alkoholfreiem Wein wird von der Weinindustrie massiv unterstützt. Aber warum eigentlich?
Neue Zielgruppen und gesundheitliche Trends als Treiber
Jahr zu Jahr wird immer weniger Wein verkauft. Die Nachfrage sinkt. Neben anderen Problemen ändert sich das Konsumverhalten der Leute, da besonders die jüngere Generation insgesamt weniger Alkohol trinkt. Auch saisonaler Verzicht auf Alkohol, etwa bekannt als der Social-Media-Trend „Dry January“, wird über die letzten Jahre beliebter. Beim „Dry January“ trinkt man im Januar kein Alkohol. Ebenfalls gibt es Personen, die wegen ihrer Religion oder aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol trinken. Hier können die Winzer mit alkoholfreiem Wein neue Kunden bedienen. Die zunehmende Vorsicht gegenüber Alkohol ist nachvollziehbar, da er als psychoaktive Substanz eingestuft wird und deshalb nur in Maßen zu sich genommen werden sollte. Doch trotz dieser Veränderungen bei den Konsumenten, ist Wein ein historisches Kulturgut, dass schon Jahrtausende zurückgeht. Es ist mehr als ein Getränk mit Alkohol. Wein hat sich über die Jahrtausende mit dem Wandel der Gesellschaft verändert und das hört auch nicht auf. Denn jetzt liegt es wieder bei der Weinindustrie und den Winzern sich dem Wandel anzupassen. Alkoholfreier Wein ist ein Teil davon.
Wie wird alkoholfreier Wein hergestellt?
Anders als beim Bier muss der Wein erst alle Herstellungsschritte vollständig durchlaufen, bevor ihm mit verschiedenen Verfahren der Alkohol entzogen werden kann. Hierbei kann es jedoch dazu kommen, dass trotz der Bezeichnung „alkoholfrei“ ein Restalkoholgehalt von unter 0,5 Volumenprozent erhalten bleibt. Es gibt auch Weine, die absolut keinen Alkohol enthalten, diese tragen aber eine andere Bezeichnung. Es gibt drei gängige Entalkoholisierungsverfahren: Die Vakuumdestillation, die Umkehrosmose und die Schleuderkegelkolonne.
Vakuumdestillation: Die Vakuumdestillation, auch Vakuumverdampfung genannt, ist die am häufigsten genutzte Methode. Durch das Anlegen eines Vakuums, eine Minderung des Luftdrucks in einem geschlossenen Raum, wird der Siedepunkt vom Alkohol drastisch gesenkt. So kann der enthaltene Alkohol verdampfen ohne, dass die Aromen stark geschädigt werden. Die restlichen Inhaltsstoffe haben einen höheren Siedepunkt, verdampfen also nicht mit dem Alkohol. Der Alkohol wird abgefangen und entfernt.
Umkehrosmose: Die Umkehrosmose, auch Membranfiltration genannt, ist besonders schonend, aber technisch aufwendiger und dadurch kostenintensiver. Der Wein wird unter hohem Druck an einer speziellen Trennschicht (der Membran) vorbeigeführt. Durch winzige Poren in der Membran können die kleinsten Bestandteile des Weins, der Alkohol und das Wasser, auf die andere Seite der Membran schlüpfen, um den Druck zu entkommen. Die größeren Bestandteile bleiben auf der anderen Seite zurück. Der Alkohol wird dann vom Wasser getrennt und das Wasser wird den größeren Teilen wieder hinzugefügt.
Schleuderkegelkolonne: Die Schleuderkegelkolonne ist eine Art Zentrifugalverfahren. Das ist eine Trennung von Stoffen in ihre Bestandteile durch hohe Fliehkraft. Dieses Verfahren ist das technischste und neuste Verfahren der drei gängigen. Hier werden die Aromastoffe vom Rest des Weines entfernt und danach wieder zusammengesetzt.
Nach dem Entfernen des Alkohols ist der Prozess noch nicht beendet, denn durch den fehlenden Geschmacksträger sind die Aromen aus dem Gleichgewicht geraten. Falls Aromen während der Entalkoholisierung entwichen sind, müssen diese nun nachträglich hinzugefügt werden. Häufig werden Zucker zum Ausgleich der entstandenen Säure im Geschmack sowie Kohlensäure zur Wiederherstellung der Spritzigkeit zugesetzt. Durch den veränderten Geschmack des Weins sind auch nicht alle Weinsorten zur Entalkoholisierung geeignet.
Die erste Anlage Frankens
Entalkoholisierungsanlagen sind noch nicht weit verbreitet. Winzer müssen oft ihre Weine zu einem weiter weggelegenen Ort bringen. Die Winzer in Franken werden voraussichtlich ab dem Frühjahr 2026 eine weitere Option haben, denn die GWF bekommt eine eigene Entalkoholisierungsanlage. Diese ist dann somit die Erste in Franken. Sie wollen die Entalkoholisierung dann anderen Winzern als Dienstleistung anbieten. Mithilfe von EU-Zuschüssen für den Weinbau wird die Winzergemeinschaft Franken die Neuanschaffung finanzieren. Die Anlage funktioniert mit dem Membranverfahren. Mit der neuen Anlage können in der Stunde rund 500 Liter Wein entalkoholisiert werden. So wird in Zukunft die GWF selbst ihr bereits vorhandenes Sortiment an alkoholfreien Weinen erhalten und erweitern können. Die GWF glaubt daran, dass die Weiterentwicklung von alkoholfreiem Wein ein Baustein darin sein wird, die Nachfrage von Wein wieder zu steigern.
Euer VINOVATION-Team

Quellen:
https://www.mainpost.de/kitzingen/volkach-ja-oder-nein-zu-alkoholfreiem-wein-031225-112868882 Zuletzt abgerufen am 14.12.2025
https://www.mainpost.de/wuerzburg/landkreiswuerzburg/alkoholfreier-wein-aus-franken-winzergenossenschaft-kauft-anlage-zum-entfernen-von-alkohol-071025-111773576 Zuletzt abgerufen am 14.12.2025
https://www.mainpost.de/hassberge/botevomhassgau/hassbergkreis-die-traubenlese-naht-sind-alkoholfreie-weine-bei-winzern-und-gastronomen-im-landkreis-hassberge-ein-thema-110618832 Zuletzt abgerufen am 14.12.2025
https://www.tagesschau.de/video/video-1409752.html Zuletzt abgerufen am 14.12.2025
https://www.zdfheute.de/ratgeber/alkoholfreier-wein-trend-100.html Zuletzt am 14.12.2025
https://share.google/S1enhhnnqPrIDWXnW Zuletzt am 15.12.2025
https://share.google/8MYkmHodEggtNl2Pp Zuletzt am 15.12.2025
7 Antworten zu „Nüchterner Wein: Der neue Trend?“
-
Spannendes Thema ‼️
-
Gut auf den Punkt gebracht 😊
-
Total cool, dass die GWF dann die erste Anlage in Franken hat !!!
-
Super Text!!
Sehr informativ und lehrreich geschrieben, ebenso übersichtlich. -
Tolle Zusammenfassung 👍
-
Sehr interessantes Thema.
Würde mir auch zugute kommen, da ich keinen Alkohol trinke. Da wäre dann ja vllt mal ein Gläschen Rotwein drin…. -
Cooler Artikel!


Schreibe einen Kommentar