Vom Weinfest in den Feed – so macht die GWF Frankenwein zukunftsfähig

Früher waren es Weinfeste, Bars und Weinläden, bei denen Menschen ihren neuen Lieblingswein entdecken konnten. Heute passiert das immer häufiger online, besonders durch Social Media. Auf Instagram wird Wein zum Lifestyle-Produkt, Influencer machen junge Zielgruppen neugierig und die Weinbranche steht plötzlich vor einer kniffligen Frage: Wie vermittelt man ein traditionsreiches Kulturgut, wenn Aufmerksamkeit in Sekunden gemessen wird?

Genau diese Frage will die Winzergemeinschaft Franken beantworten. Mittendrin in diesem Umschwung steht Julia Schimpp. Seit einem Jahr leitet sie das Marketingteam der GWF und beschreibt ihre Arbeit als Balance aus zwei Welten: Online-Marketing und Offline-Erlebnis. Diese beiden Bereiche ermöglichen es, über Wein zu informieren, neue Begeisterung und emotionale Momente zu schaffen. Denn Wein soll nicht nur verkauft, sondern verstanden und vor allem erlebt werden. 

Qualität allein ist nicht mehr genug
Als nicht gebürtige Fränkin hat Julia Schimpp schnell bemerkt: Die emotionale Bindung an Wein ist hier in Unterfranken außergewöhnlich stark. Wein ist Kultur, Tradition, Teil der Landschaft und verbindet Familien oft über Generationen hinweg miteinander. Genau diese Gemeinschaft möchte sie im Marketing der GWF stärker in den Mittelpunkt rücken. Nicht nur das Produkt, sondern die Menschen dahinter sollen sichtbar werden: Winzerinnen und Winzer, Familien und vor allem ihre Leidenschaft. Denn für Konsumentinnen und Konsumenten ist Qualität und Nachhaltigkeit kein Verkaufsargument mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Den Unterschied machen Emotionen.

Es braucht Marketing mit Haltung
Die Vermarktung von Wein unterscheidet sich von anderen Produkten. Die Marketingleitung macht deutlich: Die GWF will keine provokante Kommunikation, keine Verherrlichung von Alkoholkonsum, keine Botschaften, die in Richtung übermäßiges Trinken gehen. Als Mitglied von „Wine in Moderation“, einem internationalen Programm der Weinbranche zur Förderung eines verantwortungsvollen, moderaten Weingenusses, hält sich die GWF an klare Regeln, die einen wichtigen Rahmen für die gesamte Branche setzen. Die Herausforderung für das Marketingteam ist also: Eine junge und nahbare Positionierung, ohne dabei Grenzen zu überschreiten. 

Vom Insta-Post zum Kauf 
Die GWF hat das Potenzial ihrer unterschiedlichen Marketingkanäle erkannt: Der Online-Shop ist der Verkaufsort, während soziale Netzwerke zum einen als schnelle, einfache Informationsquelle dienen, aber auch um das erste Weininteresse zu wecken. Gerade Social Media ist entscheidend um junge Erwachsene zu erreichen, weil sie Wein dort entdecken, wo sie täglich unterwegs sind. Instagram ist aktuell der Hauptkanal, aber auch Facebook spielt weiterhin eine Rolle. Mit TikTok soll demnächst gestartet werden, meint Julia Schimpp. Zusätzlich investiert die GWF natürlich auch in Suchmaschinen-Marketing und Anzeigen auf Social Media, die alle Weinfans in den Online-Shop führen sollen. Diese Strategie wird planmäßig auch bald durch Influencer-Marketing ergänzt, um Wein in echten Alltagssituationen erlebbar zu machen.

Screenshot. Dient der Information über die Social-Media-Präsenz der GWF. Instagram-Profil „gwf_frankenwein“ mit Logo, Profilbeschreibung und Beitragsübersicht zu Wein, Events und Aktionen. Quelle: GWF Frankenwein/Instagram
Bild: GWF Frankenwein/Instagram

Content, der funktioniert
Einer der bisher erfolgreichsten Posts auf dem Instagram-Profil der GWF zeigt, was die Zielgruppe interessiert und gibt die Richtung an, in die der Social Media Content jetzt gehen soll. Eine Reel-Serie mit einer Kellermeisterin der Genossenschaft, die in fünf kurzen Videos den Weg von der Traube bis zur Flasche zeigt. Sympathisch, informativ und humorvoll. Genau diese Mischung hat überzeugt. Für Julia Schimpp ist klar, wie Wein heute erzählt werden muss: mit fachlicher Expertise und Persönlichkeit, nah an der Zielgruppe. 

Marmeladenglasmomente statt Bildschirmzeit
Der Wandel im GWF-Marketing beschränkt sich allerdings nicht auf den digitalen Bereich. Die Genossenschaft möchte ihren Veranstaltungskalender deutlich erweitern: Verkostungen, Krimi-Dinner, Wanderungen durch die Weinberge oder eine magische Weinprobe mit Zauberkünstler. „Einfach nur Wein konsumieren funktioniert heute halt einfach nicht mehr, [um für Wein zu begeistern]“, sagt Julia Schimpp. Menschen genießen es ihrer Ansicht nach – besonders nach den Pandemie-Jahren – echte Dinge zu erleben, statt nur vor dem Bildschirm zu sitzen. Genau diese positiven Emotionen wirken nach: Wer ein Event mit einer Marke verbindet, erinnert sich und kauft später. 

Ein Signal für die Zukunft
Der Markenwandel der GWF wird durch die verschiedenen Logos über die Jahre sichtbar gemacht (mehr dazu im Beitrag von Fabienne: Alte Wurzeln, neuer Look – Wie das GWF-Logo mit der Zeit mitgeht). 2025 wurde das Logo modifiziert, statt ein komplett neues Design zu erstellen. Auf den ersten Blick ändert sich so nicht viel und der Wiedererkennungswert der Marke bleibt erhalten. Beim genaueren Hinsehen steckt allerdings viel hinter den Anpassungen. „In jedem Weinberg steht halt nicht nur ein Mann, sondern auch eine Frau.“, stellt Julia Schimpp fest. Deshalb wurde eine der beiden männlichen Figuren auf dem Logo jetzt durch eine weibliche ersetzt. Die beiden – zuvor voneinander abgewandt – prosten sich jetzt zu, weil Wein im Grunde ein soziales, gesellschaftliches Gut ist. 

„Wenn wir nichts verändern, wird es […] negative Auswirkungen haben.“ sagt die Marketingleitung. Auch viele Winzerinnen und Winzer sind sich dessen schon bewusst, gerade weil die Veränderungen so minimalistisch und doch meinungsstark umgesetzt wurden. 

Innovation ist der nächste Schritt
Als größte fränkische Winzergenossenschaft sieht sich die GWF in der Verantwortung, mit neuen Ideen voranzugehen. Der nächste große Schritt ist eine Entalkoholisierungsanlage, die zeigen soll, dass man die veränderten Anforderungen der Zielgruppen ernst nimmt. Die Botschaft ist klar: Wer sich weiterentwickelt, bleibt relevant und kann auch zukünftig weiter für Wein begeistern.

Was muss Weinmarketing heute können, um junge Erwachsene als Zielgruppe zu erreichen? Schreibt uns gerne einen Kommentar!

Euer VINOVATION-Team!

Portrait. Dient der Vorstellung der genannten Person. Eine junge Frau steht vor einem schwarzen Hintergrund. Sie trägt ein dunkelrotes Oberteil. Die linke Schulter ist leicht nach vorn gedreht, sie schaut gerade und freundlich lächelnd in die Kamera. Quelle: Lynn Emmerling

Verfasserin: Anna Polster

Quellen:

Interview mit Julia Schimpp am 08.01.2026

https://wineinmoderation.eu/about-wim
Zuletzt aufgerufen am 10.01.2026

EPRO-Videobeitrag vom 14.12.2025: Campus TV – Folge 1: Wein im Wandel

5 Antworten zu „Vom Weinfest in den Feed – so macht die GWF Frankenwein zukunftsfähig“

  1. Avatar von Emma
    Emma

    Toller Artikel!
    Ich finds ja super, dass die Tradition bleibt, aber durch moderne Wege weitergegeben wird!🍷🍇

  2. Avatar von Moritz
    Moritz

    Schön zu sehen, wie ein altbekanntes Produkt wie der Wein, auf modernen Wegen an neue Zielgruppen herangebracht wird🍷

  3. Avatar von Natja
    Natja

    Die Idee aus Wein ein (Erlebnis-) Event zu machen, ist super spannend und voller Möglichkeiten…nicht nur für die junge Generation 😉…ich freu mich schon auf das erste Krimi-Dinner der GWF 🤓

  4. Avatar von Anna-Lena
    Anna-Lena

    Sehr schöner Artikel, cool zu sehen wie man Wein und die digitale Welt miteinander verbindet.

  5. Avatar von Mara
    Mara

    mega interessanter Artikel! Echt spannend auch mal diesen Einblick zu bekommen🤗

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