Zwölf Monate Handarbeit – das Jahr im Weinberg

Im Takt der Jahreszeiten reifen die Trauben an den Rebstöcken. Doch guter Wein entsteht nicht erst bei der Lese, ein ganzes Jahr sorgfältiger Arbeit steckt dahinter.

Die Basis für jeden hochwertigen Wein bilden die Reben. Daher ist eine intensive Pflege des Weinbergs über das ganze Jahr hinweg nicht nur für eine erfolgreiche Ernte Voraussetzung, sondern auch für eine hohe Weinqualität unerlässlich.

Winterarbeit mit großer Wirkung

Nachdem vor wenigen Tagen das neue Jahr begonnen hat, startet auch die alljährliche Routine im Weinberg. Während die Weinstöcke noch ruhen und Kraft für die kommende Saison sammeln, geht die Arbeit für die Winzer bereits los. Den Auftakt bildet ein besonders wichtiger Schritt: Der Rebschnitt, der zwischen Januar und Februar durchgeführt wird. Dabei werden Altholz und überzählige Triebe entfernt sowie neue Fruchtruten, also Zweige, an denen später die Trauben wachsen, für die kommende Lese ausgewählt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird festgelegt, wie hoch der spätere Ertrag ausfallen soll. Weniger Fruchtruten bedeuten zwar geringe Erntemengen, führen jedoch zu einer höheren Qualität und besseren Aromen, da die Konzentration der wertvollen Inhaltsstoffe in den Trauben so deutlich höher ist.

Bild: Winzergemeinschaft Franken eG

Parallel dazu werden die Drahtanlagen, an denen die Reben entlangwachsen sollen kontrolliert, ausgerichtet und gegebenenfalls repariert. Je nach Witterung werden die Ruten anschließend zwischen Februar und April an die Drähte gebunden. Dieser Vorgang wird als Reberziehung bezeichnet und gibt den Reben die gewünschte Wachstumsrichtung vor. Die waagerechte Führung der Ruten sorgt für eine gleichmäßige Nährstoffverteilung, fördert eine gesunde Laubwand, beugt Krankheiten vor und unterstützt ein gleichmäßiges Reifen der Trauben.

Frühjahrsarbeit mit Fingerspitzengefühl

Sobald der Frühling Einzug hält, erwacht auch der Boden zum Leben. Seine Gesundheit ist eine weitere grundlegende Voraussetzung für einen ertragreichen Weinberg, weshalb er sorgfältig bearbeitet wird. Maßnahmen wie mechanische Auflockerung, gezielte Düngung oder die Einsaat von Begrünungspflanzen wie Blumen und Kräutern schaffen optimale Wachstumsbedingungen und fördern die Biodiversität.

Im Mai wird es dann richtig spannend, wenn sich auch an den Weinstöcken etwas regt: Die Reben beginnen zu bluten. Das bedeutet, dass der Saftfluss einsetzt und schließlich erste Austriebe zu sehen sind.

Im Zuge dessen sind die Winzer auch wieder im Weinberg anzutreffen: Beim sogenannten Ausbrechen entfernen sie per Hand überzählige Knospen und junge Triebe. Aus ähnlich Gründen wie beim Rebschnitt wird dadurch die Ertragsmenge reguliert. Weniger Austriebe bedeuten auch eine geringere Laubdichte, was wiederum Pilzkrankheiten vorbeugt, die Lichtverhältnisse optimiert und zur gleichmäßigen Reifung der Trauben beiträgt. 

Mit Beginn der Vegetationsperioden werden bis zur Lese in regelmäßigen Abständen alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Rebe vor Krankheiten und Schädlingen ergriffen. Durch genaues Beobachten können Maßnahmen gezielt eingesetzt und chemische Mittel auf ein Minimum reduziert werden. 

Sommerliche Feinarbeit für Qualität

Während im Mai Energie in die Triebe gesteckt wird und diese daher fleißig wachsen, beginnt Anfang bis Mitte Juni die Blüte. Danach ist erneut viel Handarbeit gefragt. Da die Triebe durcheinander wachsen und es somit im Weinberg recht chaotisch einhergeht, sorgen die Winzer mit dem sogenannten „Heften“ für Struktur. Sie flechten die Triebe in die dafür vorgesehenen Drähte ein, sodass sie dort einen festen Halt haben und vor dem Abbrechen geschützt sind. Da die Reben kontinuierlich weiterwachsen, stutzt man sie zusätzlich. Außerdem werden aus der mittlerweile sehr dicht gewordenen Laubwand Blätter entfernt, um den Trauben genügend Licht zu verschaffen und ein Abtrocknen nach dem Regen zu erleichtern, was der Schimmelbildung vorbeugt.

Diese Tätigkeiten fasst man unter dem Begriff Laubmanagement zusammen. Sie begleiten die Winzer den ganzen Sommer lang, um den heranwachsenden Trauben stets optimale Bedingungen zu bieten.

Je nach Wetter sind Ende Juni bereits kleine Beeren an den Rebstöcken sichtbar. Im Juli erfolgt eine weitere Ertragsregulierung, bei der der untere Teil der Trauben entfernt wird. Auch dieser Schritt dient der Qualitätssteigerung, da sich die Rebe stärker auf die verbleibenden Früchte konzentrieren kann.

Foto. Zur Veranschaulichung von Rebstöcken. Rebstöcke an Drahtanlage mit dichter, grüner Belaubung und grünen Trauben. Quelle: Winzergemeinschaft Franken eG
Bild: Winzergemeinschaft Franken eG

Der Höhepunkt des Weinjahres

Nach einem idealerweise sonnigen August, in dem die Trauben vollständig ausreifen, beginnt im Spätsommer die Weinlese. Darauf haben die Winzer das ganze Jahr hingearbeitet. Die Weinberge werden nun sehr regelmäßig kontrolliert, um den perfekten Zeitpunkt für die Lese abzupassen. 

Je nach Wetter und Rebsorte findet die Weinlese zwischen September und November statt und erstreckt sich über mehrere Wochen.

Nach der Ernte gelangen die Trauben in den Keller, wo die Kellermeister mit der eigentlichen Weinbereitung beginnen.

Foto. Zur Veranschaulichung der Weinlese. Blick in Gang zwischen Rebstockreihen. Rote Erntemaschine mit Fahrer. Weinberge im Hintergrund. Quelle: Winzergemeinschaft Franken eG
Bild: Winzergemeinschaft Franken eG

Mit Einzug des Herbstes verabschieden sich die Weinberge mit einem bunten Blätterkleid wieder in die Winterruhe. Währenddessen erfreuen sich Weinliebhaber bereits am neuen Jahrgang. Wem dabei bewusst ist, wie viel Arbeit, Hingabe und Präzision in ein Glas Wein fließen, dem schmeckt es sicherlich gleich doppelt so gut.

Euer VINOVATION-Team

Portrait. Dient der Vorstellung der genannten Person. Eine junge Frau steht vor einem schwarzen Hintergrund. Sie trägt ein dunkelrotes Oberteil. Die linke Schulter ist leicht nach vorn gedreht, sie schaut gerade und freundlich lächelnd in die Kamera. Quelle: Lynn Emmerling

Verfasserin: Luciane M. Hoppe

Quellen:

https://www.franken-weinland.de/rund-um-den-wein/blog/herbst/ Zuletzt abgerufen am 29.12.2025

https://www.cg-winzer.de/magazin/Das-Weinjahr-im-Verlauf-ein-Jahr-mit-unseren-Winzern?srsltid=AfmBOorTe35JZy5SLN9hnYzOLfAJdKbXytEKpOXitAMc9GfPpNlj61-t Zuletzt abgerufen am 29.12.2025

https://www.gwf-frankenwein.de/blog/weinbau-in-franken.html Zuletzt abgerufen am 29.12.2025

5 Antworten zu „Zwölf Monate Handarbeit – das Jahr im Weinberg“

  1. Avatar von Marie
    Marie

    Der Herbst gefällt mir am besten, die bunten Farben am Weinberg sind immer wieder schön anzusehen! 😉

  2. Avatar von Thomas
    Thomas

    Da wird einem erst bewusst, wie viel Arbeit hinter dem Wein im Regal steckt…
    Das nächste Glässchen wird doppelt so sehr genossen, mit diesem Gedanken im Hinterkopf 😉

  3. Avatar von Natja
    Natja

    …da kann man die (Hand)Arbeit und die Zeit, die die Winzer in ihren Weinberg stecken – aber auch ihre Liebe zum Wein – richtig rauslesen…danke für die anschauliche Jahresreise durch den Weinberg 🥰

  4. Avatar von Anna
    Anna

    Ich werde jedes Glas Wein jetzt umso mehr genießen🥰

  5. Avatar von Michael
    Michael

    Sehr anschaulich beschrieben. Das ein oder andere werde ich an meinem Hobbyweinstock umsetzen!😊👍

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