Das Gesicht hinter der GWF

Martin Deutsch über Chancen, Herausforderungen und Visionen

Sie sorgt für volle Gläser auf fränkischen Weinfesten, pflegt Traditionen und verbindet über 900 Winzer im Frankenland: Die Winzergenossenschaft Franken eG (GWF) ist seit 66 Jahren das Herzstück des fränkischen Weinbaus. Am GWF-Standort im Kitzingen passiert aber weit mehr als nur Produktion, denn hinter den Kulissen setzt man alle Hebel in Bewegung, um das Weingeschäft in die Zukunft zu führen.

Förderbänder surren, Maschinen zischen. Flasche für Flasche gleiten grüne Bocksbeutel über die Förderbänder, ein leises Klirren ertönt immer dann, wenn sie aneinanderstoßen. Zielstrebig bewegt sich Martin Deutsch durch die Abfüllhalle der GWF, vorbei an großen Edelstahlfässern und roten Schläuchen, die auf dem Boden verteilt liegen. Deutsch ist geschäftsführender Vorstand der im Jahr 1959 gegründeten Winzergenossenschaft Franken eG (GWF), die mit über 900 Mitgliedern und einer Anbaufläche von 1.200 Hektar zu den größten Winzergenossenschaften Deutschlands gehört. „Wir sind im gesamten fränkischen Weinanbaugebiet zu Hause, das reicht von Aschaffenburg bis nach Bamberg“, äußert der gelernte Brauer und Mälzer bei unserem Besuch am Standort der Genossenschaft. Was hier im großen Stil geschieht, ist das Ergebnis eines über 60 Jahre alten Zusammenschlusses verschiedener Winzer. Der Geschäftsführer erklärt: „Es gibt Winzer, die alles selbst auf ihrem Gelände machen: vom Weinanbau, über die Kelterung und Abfüllung, bis hin zum Vertrieb.“ Vor allem viele kleine Winzerbetriebe haben laut Deutsch nicht die Möglichkeiten, ihren Wein selbst zu keltern und zu vertreiben. Und da kommt die GWF ins Spiel: Die zahlreichen Winzer, die Mitglied in der Genossenschaft sind, lesen ihre Trauben selbst und liefern sie an den GWF-Standort in Kitzingen. In modernsten Produktionshallen werden die Trauben anschließend gekeltert, der Wein ausgebaut, abgefüllt und am Markt vertrieben. „Unsere Mitglieder müssen alle ihre Trauben bei uns abgeben, dafür müssen wir aber auch alles annehmen. Dadurch haben beide Seiten eine gewisse Sicherheit“, fasste er zusammen.

Vom Braumeister zum Wein-Vorstand

Seit einem Jahr trägt der Braumeister und Diplomökonom nun die Verantwortung für die größte fränkische Winzergenossenschaft. Eine Aufgabe, die ihn schon länger gereizt habe. „Nach meiner Ausbildung habe ich Brauwesen, Getränketechnologie und Betriebswirtschaft studiert“, verrät er, „Danach war ich immer im Kohlensäure-Bereich tätig. Besonders mit Bier hatte ich viel zu tun.“ Als die Stelle des geschäftsführenden Vorstands von der GWF ausgeschrieben wurde, habe er nicht lange gezögert und sich direkt beworben.

Kampf gegen Marktdruck und Konsumrückgang

Deutschs Ziel als neuer Leiter war schnell klar: Nach Jahren der roten Zahlen wollte er die GWF endlich in eine stabile Zukunft führen. Auch für einen Vermarktungsexperten wie ihn eine echte Herausforderung, denn die deutsche Weinindustrie befinde sich seit Jahren in der Krise. „Unsere Mitglieder haben zum einen immer Risiken im Weinanbau. Da gibt es eben mal Hagel oder Frost, zu viel Regen oder übermäßige Trockenheit und natürlich Schädlinge wie Mehltau“, beschreibt er, „Wir als GWF haben aber vor allem mit Schwierigkeiten am Markt zu tun. Der Weinkonsum von deutschen Konsumenten hat sich in den letzten Jahren sehr stark auf ausländische Weine konzentriert.“ Das gemeinsam mit dem rückläufigen Gesamtkonsum pro Kopf führe dazu, dass die Absatzmenge in Deutschland zurückgegangen sei. Deutsch kennt auch die Gründe dafür: „Es gibt mehr Rebfläche und Trauben in den weinanbauenden Ländern als Nachfrage. Deswegen entsorgt beispielsweise Italien die überflüssige Weinmenge zu günstigen Preisen nach Deutschland und Skandinavien. In Zeiten schmaler Haushaltsbudgets greift der Konsument eher zum günstigen italienischen als zum teureren deutschen Wein.“

Die GWF im Wandel

Doch die Genossenschaft lässt ich von diesem Trend nicht unterkriegen: „In Zukunft müssen wir uns eben von den klassischen Weinlinien, mit denen die GWF jetzt über 60 Jahre gut leben konnte, ein bisschen lösen.“ Das traditionelle Weinsortiment werde zwar weiter Kerngeschäft bleiben, doch man wolle auch in andere Wachstumsfelder vordringen. „Wir müssen neue Wege gehen, um den Umsatz zu generieren, den wir durch den rückläufigen Konsum und die ausländischen Weine verloren haben.“ Eines dieser Felder sei der alkoholfreie Wein, der bis dato eher als Nischenprodukt zählte. Um das zu ändern, wird in wenigen Monaten eine Anlage zum Entalkoholisieren in die Hallen der GWF einziehen. „Wir haben schon ein paar Weine extern entalkoholisieren lassen. Wir erwarten uns von einer eigenen Anlage, dass wir da auch am Produkt und am Geschmack selbst noch weiterdrehen und arbeiten können“, erläutert der Geschäftsführer, „Diese Dienstleistungen wollen wir auch anderen fränkischen Winzern anbieten, damit die Anlage ausgelastet wird.“ Neben alkoholfreien Alternativen will die Genossenschaft in Zukunft außerdem die jüngere Generation wieder mehr ansprechen, wie er verrät: „Wir testen gerade ein neues Mischgetränk mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, um auch die Vorlieben der jungen Generation in Zukunft abdecken zu können.“

Insgesamt blickt Martin Deutsch also optimistisch in die Zukunft: „Ich wünsche unseren Winzern gute Jahrgänge, sowohl in der Qualität als auch in der Menge. Für uns hoffe ich, dass wir mit unseren neuen Produkten den Nerv der Zeit treffen.“ In seine Wünsche für die Zukunft bezieht er außerdem auch einen viel größeren Gedanken mit ein: „Ich wünsche mir, dass der Konsument sich wieder auf heimische Produkte besinnt. Ganz egal, ob bei Wein, Obst oder anderen Lebensmitteln: Ich hoffe, dass der Verbraucher wieder bewusster einkauft.“ Dem können wir uns nur anschließen!

Euer VINOVATION-Team

5 Kommentare zu „Das Gesicht hinter der GWF“

  1. Avatar von Michael
    Michael

    Regional ist Trumpf! Weiter so!

    1. Avatar von Emma
      Emma

      Toller Artikel Anna!
      Wirklich gut geschrieben, ich freu mich auf mehr von euch🤗

  2. Avatar von Emma
    Emma

    Toller Artikel Anna!
    Wirklich gut geschrieben, ich freu mich auf mehr von euch🤗

  3. Avatar von Natja
    Natja

    Sehr interessanter Artikel…und toast vino Franconico😘!

  4. Avatar von Anna
    Anna

    Wirklich wichtig, sich so intensiv mit der Zukunft zu beschäftigen! Richtig interessant👏🏼

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