Die Verpackung von Wein wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Eine Glasflasche, das Etikett und ein Verschluss. Fertig. Das denken wohl die meisten. Aber wie viel Energie und Arbeit sich hinter einer verkaufsfertigen Weinflasche versteckt, wissen wohl nur die wenigsten. Einer von ihnen ist Markus Troll, der seit 2013 bei der GWF zugehörig und Leiter für Produktion und Abfüllung ist.
Der Alleskönner unter den Weinflaschen
Die typisch zylindrische Weinflasche wirkt auf den ersten Blick klassisch, aber sie hat mehr zu bieten, als man denkt. Die gerade, gleichmäßig runde Form liegt gut in der Hand. Dazu kommt, dass sie sich leicht transportieren und stapeln lässt, was ein großer Vorteil im Vergleich zum Bocksbeutel ist. Meist fassen sie 0,75 Liter, wobei es je nach Region auch mehr oder weniger sein kann. Sie ist also so flexibel wie der Wein selbst. In die zylindrischen Flaschen kann grundsätzlich jede Weinsorte gefüllt werden – ob rot, weiß oder Rosé spielt dabei keine Rolle.
Die Flasche mit Charakter
Die wohl auffälligste Flasche, die man im Supermarktregal finden kann, ist der Bocksbeutel. Eine bauchige Flasche mit kurzem Flaschenhals. Auch die GWF hat einige ihrer Weine in diese außergewöhnliche Form abgefüllt. Um 2015 kam die Idee auf, den Bocksbeutel neu zu überdenken und die in die Jahre gekommene Flasche etwas kantiger, eckiger und mit mehr Charakter zu gestalten. Damit wurde laut Troll ein neues Image für den Bocksbeutel geschaffen. Die Neuauflage sorgte für mehr Aufmerksamkeit am Weinmarkt und der Bocksbeutel wurde wieder zum Gesprächsthema. „Der Bocksbeutel sagt zudem auch einiges über seinen Inhalt und die Herkunft aus“, meint der Produktions- und Technikleiter. So muss der enthaltene Wein zwingend aus der Weinregion Franken kommen. Außerdem gilt die Flaschenform als Qualitätsmerkmal unter Weintrinkern.

Bild: Emma Priem
Denn der Wein in den Bocksbeuteln wird einer Qualitätsprüfung unterzogen, bei der fünf Personen den Wein verkosten und anschließend mit Hilfe eines Punktesystems bewerten. Dabei muss eine gewisse Punktzahl erreicht werden, bevor er in den Bocksbeutel gefüllt werden darf. Grundsätzlich kann jegliche Weinsorte und -farbe in den Bocksbeutel gefüllt werden, egal ob rot, weiß oder rosé, solange der Wein hochwertig genug ist.
Auch früher war diese Flasche schon ein Zeichen für einen Frankenwein und die hervorragende Qualität, die damit einherging. Der Grund für diese Form ist, Anekdoten zufolge, dass eine solche Flasche im Weinberg nicht wegrollen könne. Mittlerweile ist aus dieser traditionellen Flasche vor allem „ein Image und Statement“ geworden „da man eben schon von weitem erkennt, woher der Wein kommt.“
Der Weg in die Flasche
Markus Troll hat auch einen Einblick in die Produktion und Abfüllung für solch eine besonders geformte Flasche gegeben. Ein Bocksbeutel ist sehr viel aufwändiger in der Herstellung und Abfüllung als die klassische Flasche. „Der Bocksbeitel ist breiter, dadurch passen deutlich weniger von ihnen in die Abfüllanlage, als das bei einer zylindrischen Flasche der Fall ist“, erklärt er bei dem Besuch vor Ort. Zudem ist die Herstellung in Glashütten aufwändiger. Da der Bocksbeutel eine kugelig-ovale Form mit engen „Schultern“ hat, erfolgt die Herstellung hier mit speziellen Formen und Werkzeugen. Die klassisch zylindrische Form wird meist durch automatisierte Prozesse hergestellt, was es einfacher macht, diese zu standardisieren. Warum wird also so an dieser Form und dem Bocksbeutel im Allgemeinen so festgehalten? Ganz einfach: Ein breites Spektrum an Menschen greift immer wieder zum Bocksbeutel. Die ältere Generation, durch Tradition und Qualität des Weins. Aber auch die Jungen werden von der Linie „Die jungen Frank´n“ angesprochen.
Zukunftsvisionen im Regal
Der Trend, alkoholische Getränke auch in anderen Formaten und Größen anzubieten, wird immer beliebter, so auch bei der GWF. Markus Troll verkündete, dass auch die Winzergemeinschaft daran arbeite, verschiedene weinhaltige Produkte in Dosen oder anderen Flaschenformen anzubieten. Vor allem Mischgetränke und Seccos, also Perlweine, sollen in den neuen Formaten abgefüllt werden. Die Stärken sieht der 38-jährige vor allem in der leichten Handhabung. Beispielsweise ist er davon überzeugt, dass Dosen im Supermarkt sehr leicht einsetzbar sind, schnell griffbereit stehen und resistenter als Glasflaschen sind. Zudem wird eine junge Zielgruppe mit einem „ready-to-drink“ Getränk angesprochen. Aber auch hier ist Troll zuversichtlich, dass auch andere, ältere Generationen sich mit der Dose anfreunden können. Außerdem ist eine Dose keinesfalls schlechter, als eine Glasflasche, anders als so mancher bestimmt glauben würde. Durch die Dose ist der Wein vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und dadurch, dass die Dose unter Druck befüllt wird, geht auch keine Kohlensäure beim Vorgang verloren.
Um eine solche Veränderung umzusetzen, muss man den Produktions- und Abfüllvorgang aber grundlegend verändern. Zuerst muss man beim Abfüllen beachten, dass die Dose und auch das Aluminium für das Getränk geeignet und nutzbar sind. Hier benötigt man viele Vorversuche und eine lange Entwicklungsphase. Anders als bei der Flasche wird die Metallverpackung als Rohling schon vor der Abfüllung bedruckt. Die Abfüllung unterscheidet sich auch. Diese ist bei Dosen relativ offen, im Vergleich dazu wird die Flasche per Vakuum eingefüllt und danach direkt verschlossen. Abgesehen von diesen grundlegenden Unterschieden, sieht Troll auch eine Schwachstelle beim Thema Pfand und Einwegsystem der Dosen. „Diese stellen für ein Unternehmen extrem viele Hürden dar. Es müssen Anmeldungen bei bestimmten Organisationen erfolgen, um überhaupt Teil des Systems werden zu können.“ Um den Wein dann also von der Flasche in die Dose zu füllen, gibt es noch so einiges zu tun.
Da wir durch unsere gemeinsame Zusammenarbeit schon das Privileg hatten, die neuen Sorten vor allen anderen zu probieren, sind wir sicher, dass die neuen Getränke, ob nun in der Dose oder im Glas, ein Hit werden! Freut euch drauf!
Euer VINOVATION-Team
Quellen:
https://www.becksteiner-winzer.de/blogs/blog/der-bocksbeutel Zuletzt aufgerufen am 18.11.2025
https://chateauberne-vin.com/de-de/blogs/news/anatomie-de-la-bouteille-de-vin-les-differentes-partie-dune-bouteille?srsltid=AfmBOoqKbJWmG8H65eZgK2nWgH1YoZLBb7Ph_jxn3WWygdZN_BOO_kPb Zuletzt aufgerufen am 18.11.2025
https://www.vinoalma.de/blog/2021/01/22/weinflaschen-groessen-formen/ Zuletzt aufgerufen am 18.11.2025
Interview mit Herrn Markus Troll am 13.11.2025
5 Antworten zu „Was Weinflaschen verraten“
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Wo kann man sich als Bocksbeutelqualitätsprüfer bewerben? 😜
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Tolle Arbeit Mädels….gute Beiträge…super Bilder :)…freu mich auf mehr !
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Danke dir 😉 du kannst auf jeden Fall gespannt sein 🤗
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Egal welche Flasche, Hauptsache Wein 🍇🍷
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…ich steh‘ auf den traditionellen Bocksbeutel 🥰…so schön fränkisch….



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