Silvaner ist ein klassischer fränkischer Wein, bekannt für seinen erfrischenden, fruchtigen Geschmack. Jedoch schmeckt er heutzutage anders als noch vor ein paar Jahrzehnten. Er ist süßlicher und alkoholischer. Es ist keine Stilveränderung, sondern die Auswirkungen des Klimawandels.
Bei einigen Weinen, auch Silvaner, wird die Geschmacksänderung als positiv wahrgenommen. Der aktuelle Temperaturanstieg ist für den Weinanbau tatsächlich teils profitabel.
Eiswein unter Druck der Erderwärmung
Eine Ausnahme ist der Eiswein, welcher durch die Erderwärmung schon stark gefährdet ist, da die benötigten Frostperioden für die Lese später oder gar nicht einsetzen. Ebenfalls werden die Trauben durch die milderen Winter- und Frühlingstemperaturen früher reif. Deshalb gehen immer weniger Winzer das Risiko der Eisweinproduktion ein.
Die Gefahr der Extremwetterereignisse
Extremwetterereignisse, die sich aufgrund der Klimaerwärmung häufen, sind die größte Gefahr für die Weinreben. Der Grund dafür ist, dass die Reben wärmeliebende Pflanzen sind, die extreme Wetterlagen nicht gut vertragen.
Ein großes Problem stellt vor allem der Spätfrost da, denn die Reben blühen durch die allgemein höheren Temperaturen früher als noch vor ein paar Jahren. Der Frost zerstört die Blüte, wodurch sich keine Trauben entwickeln können. Im Gegensatz zu den Frost-Gefahren besteht vor allem in den Sommermonaten das Risiko eines Sonnenbrandes auf der Pflanze. Durch die starke Sonneneinstrahlung trocknen die Beeren des Rebstocks aus und können anschließend nicht für die Weinherstellung verwendet werden.
Auch der Regen ist in Form von Starkregen hinderlich, da er zu intensiver Bodenerosion führt. Die Abtragung entzieht dem Boden Nährstoffe, die wieder manuell hinzugefügt werden müssen und verringert die Wasserspeicherkapazität des Bodens. Das fehlende Wasser verschärft wiederum den Trockenstress, welche die Reben durch die längeren und stärkeren Trockenperioden erfahren. Solche Ereignisse verändern den Geschmack des fertigen Weins so stark, dass er ungenießbar wird.
Ebenfalls begünstigen viele dieser Schäden und Extreme einen Pilzbefall der Reben, wie zum Beispiel einen Mehltaubefall. Die betroffenen Beeren sind dann nicht mehr zum Verzehr geeignet. Insgesamt kann man hieran erkennen, dass vermehrt Schwankungen von einem Extrem ins Andere auftauchen, anstatt die benötigten Konstanten.
Gibt es auch Positives?
In einzelnen Aspekten kann der Klimawandel auch positive Auswirkungen auf den Weinbau haben: Aufgrund der höheren Temperaturen können vermehrt Rotweine angebaut werden, da diese mit den neuen Gegebenheiten besser zurechtkommen. Bei den Weißweinsorten verschiebt sich der Anbau in nördlichere Gebiete, so auch in Gebiete, in denen aufgrund der Kälte dies bisher nicht möglich war. Auch die höhere CO-2-Konzentration kann positive Auswirkungen auf den Ertrag haben, da eine bessere Photosynthese in den Pflanzen möglich ist. Trotzdem werden immer häufiger Ertragsverluste aufgezeichnet. Die positiven Effekte gleichen die entstehenden Probleme nicht aus.
Was hilft gegen den Klimawandel?
Gegen die negativen Konsequenzen des Klimawandels gibt es bereits bestimmte Maßnahmen. Eine davon ist die gezielte Züchtung von Reben, wie zum Beispiel die PiWi-Reben, die resistenter gegen Pilzbefälle sind und eine spätere Entwicklung aufweisen. Eine Anpassung der aktuellen Pflegetechniken zu denen, die in südlicheren Ländern, zum Beispiel Spanien, angewendet werden zeigt sich ebenfalls positiv. Hier gibt es die Tröpfchenbewässerung oder den Wechsel der Unterpflanzung. Unterplanzung ist der Anbau von Pflanzen unter den Weinreben, die die Reben in unterschiedlichen Arten unterstützen sollen. Allerdings fehlt den Winzern im Norden die Erfahrungen mit den Techniken aus südlicheren Ländern, dies müssten sie sich erst aneignen. Bei neuen Anlagen ist auch eine Änderung zu einer höheren Lage und eine Ausrichtung in eine andere Himmelsrichtung möglich. Einige der Maßnahmen sind jedoch kostspielig und nicht für jeden Winzer umsetzbar.
Neue Maßnahmen für bisher ungelöste Probleme werden gerade erforscht, wie getrocknete Trauben anstatt gefrorene Trauben für den „Eiswein“. Beides sind Methoden, um das Wasser weitestgehend aus den Trauben zu entfernen, sodass anschließend nur noch die restlichen Komponenten zum entsprechenden Endprodukt weiterverarbeitet werden.
Die Folgen des Klimawandels auf den Weinanbau sind im Vergleich zu anderen Pflanzensorten geringer. Nichtsdestotrotz ist ein gewisser Wandel in den Anbaumethoden gefragt. Die Winzer müssen gezielt Maßnahmen ergreifen, um dem Ganzen entgegenzuwirken. Hier ist vor allem Aufmerksamkeit und Flexibilität gefragt.
Euer VINOVATION-Team

Quellen:
https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/weinbau-in-zeiten-des-klimawandels
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https://www.klimawandel.rlp.de/klimawandel/folgen-fuer-mensch-und-umwelt/alt/landwirtschaft/weinbau
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https://www.br.de/nachrichten/bayern/eiskalt-ins-glas-mainfranken-startet-eiswein-lese-2025,V3GzQkb
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4 Antworten zu „Wandel im Weinberg: Die Auswirkungen des Klimawandels“
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Ich drück‘ die Daumen, dass unsere Winzer diese Herausforderungen meistern und wir noch sehr, sehr, sehr lange unseren fränkischen Wein genießen dürfen 🤞🥰
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Nichts geht über den Eiswein
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Hilfreich sowie lehrreich !!
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Sehr interessant und besondere Herausforderung für alle Beteiligten.


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